Mittwoch, 28. Februar 2007

bezeichnendes und bezeichnetes

eben durch den neuesten letter von gladt darauf aufmerksam gemacht worden: in berlin hat man also eine jüdische kita abzufackeln versucht. 'nein, das ist nicht deutschland' denken wollen und wissen, dass es nicht stimmt.

interessant aber die gesamte diskussion dazu unter dem oben angeführten tagesspiegel-artikel, die sich neben der allgemeinen verurteilung im grossen und ganzen darum dreht, dass der antisemitismus nicht mehr einzig und allein in der arischen glatzendenke zu finden ist, sondern sich aus vielen verschiedenen quellen speist...und ist dann antisemitismus von antiisrealismus wirklich noch so scharf zu trennen?
Ein tagesspiegelleser versucht das problem ethymologisch und ethnolinguistisch zu lösen: 'kann ein sprecher einer sprachfamilie einen diskriminierenden hass auf diese selbe sprachfamilie haben?', so er.
aber antisemitismus heisst eben nicht, dass man alles 'semitische' hasst. und er erklaert sich auch überhaupt nicht linguistisch! deswegen, da hat der kommentator unten recht, ist der begriff 'antisemitismus' selbst insgesamt ein aeusserst, auesserst unscharfer, da er nur den hass auf eine bestimmte (eine) semitische (sprache sprechende) gruppe bezeichnet (ganz nebenbei: wenn nicht gerade in israel selbst, wo sprechen dann juden eigentlich hauptsaechlich 'semitisch'??). dass wir jetzt also seit gut 150 jahren einen solch unrichtigen begriff weiter verwenden, ist dabei an sich schon bedenklich.
aber dass deshalb das, wofür er steht, naemlich ein pauschaler, projektiver rassismus, sich bei anderen 'semiten' und 'nicht-semiten' grossartig vom inhalt her unterscheidet, glaube ich ehrlich gesagt überhaupt nicht.

Antisemitisch?

Arabischstämmige Migranten gehören meist selbst der Sprachgruppe der Semiten an, somit können sie nicht antisemitisch sein, genauso wenig, wie ein Sachse antideutsch ist. Einige Semiten können jedoch sehr wohl antiisraelisch oder antijüdisch eingestellt sein und dementsprechend agieren, wie das politische Geschehen in den Nahen Osten, den Iran, aber auch zahlreiche Prediger in unseren Moscheen beweist.