Freitag, 9. März 2007

zuglektüre

gestern abend im zug endlich die zeit gefunden, den von der heinrich böll veröffentlichten und auch übersetzten artikel von hrant dink zum komplexen verhältnis von türken und armeniern zu lesen. er selbst war ja beides, betont. dabei zum ersten mal bemerkt, wie groß der verlust durch seine ermordung tatsächlich ist: auf dreissig seiten nimmt er einen an der hand und versucht einem mal ohne eile, und in aller ausführlichkeit die verschiedenen seiten des konflikts, die vielen in ihn hineinverstrickten historischen, zeitgeschichtlichen, geopolitischen, mentalitätsgeschichtlichen fäden aufzuzeigen. schonungslose kritik dabei an einer noch immer in "paranoia" verhafteten türkischen staatsraison - aber auch die verspielten chancen auf der (den!) gegenseite(n). (armenien, türkische armenier, diaspora-armenier).
und paradoxerweise, all das pessimistische, was sich in den letzten wochen in mir angesammelt hatte wegen eines immer mehr sich mobilisierenden ultranationalismus in der türkei, -(selbst)zensur, zugeständnisse an die rechte, fortführung absurder prozesse - fiel ausgerechnet bei der lektüre von dessen letztem prominentem opfer von mir ab: denn das, was er in diesem noch letztes jahr geschriebenen aufsatz immer und immer wieder versichert: alles, was jetzt kommt, wird wohl sehr lange dauern, und es gibt immer noch die offizielle, zynische 'version' verbreitet von der "türkischen gesellschaft für geschichte", die den einfluss auf schulsystem und medien zu halten versucht mit immer neuen tricks, es gibt die finten der regierung, wenn es darum geht, in einen dialog zu treten mit armenien - aber all das, so dink, sei nichts als ein zwangsläufiges, heftiges aufbäumen von etwas, das aufhören wird zu existieren. und je weiter es sich aufbäumt, umso mehr diskreditiert es sich selbst nicht nur international, sondern immer mehr auch intern, in der zivilbevölkerung. lehrer weigern sich, den alten lehrplan zu nutzen, regierungen (als ausführende organe des staates gezwungen praktisch zu handeln) sehen sich gezwungen, kritische relektüre der schulbücher von seiten der EU (auch hier: sensibler punkt, weil bevormundung von außen) und örtlichen ngo's zu akzeptieren.
und so gibt es eben mittlerweile dieses kräftedreieck von staat, politik und zivilbevölkerung und spätestens seit der ersten, international sehr beachteten, "armenierkonferenz" 2005 an der bilgi-universität, die man letzten gezwungen war, zuzulassen, wird es immer schwieriger, sich nicht in peinlichen widersprüchen zu verheddern, die jeden dialog zu verhindern versuchen.
soweit hrant dink.

und damit nebenbei und am ende des texts: bin also wieder in berlin. das war mir spätestens klar, als der taxifahrer nochmal die adresse nachfragte: nicht kumpelhaft wie in istanbul, nicht servicebeflissen wie in frankfurt - ein kurzes, ein knappes: "hää? winz?" wäre das das einzige willkommen gewesen, wäre ich direkt wieder umgedreht :-)

Donnerstag, 8. März 2007

campus watch.

ein sz-artikel, gefunden übrigens auf der seite vom darin besprochenen campus watch selbst (deren name mir auch nicht so gut gefällt) - soviel kritik scheinen sie schonmal zuzulassen. da sieht man nur mal im netz um nach stimmen, die edward saids werk nicht völlig unkritisch gegenüber stehen - und befindet sich im handumdrehen in einem neuen auge des taifuns amerikanischer (nah ost-) forschung. harte bandagen beiderseits...


Campus Watch in the Media

Die Aufpasser
In Amerikas Universitäten setzt sich der Nahost-Konflikt fort
by Petra Steinberger
Süddeutsche Zeitung
October 2, 2002

http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/getArticleSZ.php?artikel=artikel8295.php

Gerade mal zwei Wochen ist sie alt, die Webpage „Campus Watch", und hat ihr Ziel bereits erreicht: die zumindest emotionale Aufmerksamkeit ihrer potentiellen Besucher – egal, ob die Reaktion positiv oder negativ ausfällt. „Campus Watch" hat, im Bewusstsein ihrer hehren Mission, den Studenten amerikanischer Universitäten eine anrüchige Aufgabe gestellt: Sie sollen ihre Professoren und Dozenten unter die Lupe nehmen, zwecks Aufdeckung antiamerikanischer oder antisemitischer Tendenzen. Das Wort für diese Tätigkeit klingt so unangenehm wie das, was es nach Meinung seiner Kritiker beschreibt: Snitch, Spitzel.

„Campus Watch" nennt sich selbst eine Gruppe „amerikanischer Akademiker, die sich um US-Interessen und deren häufige Verunglimpfung auf dem Campus Sorgen macht. Diese Interessen beinhalten starke Bande zu Israel, der Türkei und anderen Demokratien je nach Erfordernis; sie beinhalten Menschenrechte in der gesamten Region; eine stabile Versorgung mit Öl und seinen niedrigen Preis; sowie die friedliche Beilegung regionaler und internationaler Streitpunkte". Und deshalb wolle man „von nun an Professoren überwachen und Informationen über sie sammeln, die die Flammen der Desinformation, der Hetze und der Ignoranz schüren." Zu 14 Universitäten hat man inzwischen Material gesammelt, darunter Harvard, Stanford und Georgetown; zu acht Professoren, darunter renommierte Gelehrte wie Rashid Khalidi und John Esposito.

Kampf im Elfenbeinturm

Das hört sich zunächst an wie die Mission übereifriger Aktionskomitees zum Nahen Osten und kam scheinbar zur rechten Zeit, nämlich nur einen Tag nach einer Rede des Harvard-Präsidenten Lawrence Summers, der vor zunehmendem Antisemitismus auf dem Campus warnte. Doch hat sich „Campus Watch" offenbar einem einzigen Interesse verschrieben: der Beobachtung angeblicher akademischer Apologeten der muslimischen Welt und arabischer Diktatoren. In der Tat, ginge es nur um die Verherrlichung von Gewalt und Despotien, wäre die Wachsamkeit womöglich diskutabel – um den Campus als „Marktplatz der Ideen" zu bewahren, auf dem die unterschiedlichsten und auch unversöhnlichsten Ansichten ausgetauscht werden, solange nicht durch aufgedrängte Agitation die Meinungsäußerungsfreiheit darunter leidet. Doch das Interesse von „Campus Watch" richtet sich schon auf mögliche „parteiliche Indoktrinationen".

Als Beispiel für solches parteiisches Treiben führt die Initiative einen Literaturkurs in Berkeley an mit dem Titel „Politik und Poesie des palästinensischen Widerstandes". „Die brutale israelische Militärbesatzung von Palästina, eine Besatzung, die seit 1948 besteht, hat Millionen von Palästinensern systematisch vertrieben, getötet und verstümmelt", beginnt die historisch tatsächlich simplizistische Kurseinführung – und endet zudem mit dem nach akademischen Standards fragwürdigen Zusatz: „Wer konservative Ansichten hat, der sollte sich in anderen Sektionen umsehen." Nur, muss hier die Gedankenpolizei einschreiten?

Abgesehen davon ist „Campus Watch" selbst Partei. Denn die Gruppe besorgter Akademiker wird angetrieben von Daniel Pipes, dem Herausgeber des Middle East Quarterly vom konservativen, proisraelischen „Middle East Forum". Pipes gehört zu den obsessiven Kritikern der arabischen und islamischen Welt, streitet aber vor allem wider den militanten Islamismus. Dieser ist nicht nur für Pipes verwandt mit den totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts. Und im Gegensatz zu anderen Forschern auf diesem Gebiet sagt Pipes dem Islamismus ein weiteres Anwachsen und zunehmenden Einfluss voraus.

Hintergrund dieser neuen Militanz ist die Debatte, die sich entlang politischer Fronten abspielt. Die Mehrheit der Dozenten an den diversen Nahost-Zentren Amerikas, das behaupten Daniel Pipes, aber auch konservative Medien wie das Wall Street Journal, der National Review oder die dubiose Washington Times, seien inzwischen Anhänger der so genannten „postkolonialen Schule", geprägt von Edward Saids Buch „Orientalismus" und organisiert im Dachverband Mesa, der „Middle Eastern Studies Association". Diese Mehrheit sei antiamerikanisch, antiisraelisch und wissenschaftlich unseriös. Weder hätten sie den 11. September vorausgesehen, noch würden sie einsehen, dass der Terrorismus ein Problem des militanten Islams und die Rückständigkeit der arabischen Welt selbstverschuldet sei. Und deshalb würden sie der CIA und damit Amerika im Kampf gegen den Terror nicht nützen.

Umgekehrt, empören sich die Angegriffenen, dies alles sei Teil einer Kampagne der Israel-Lobby, um israelkritische Stimmen durch den Vorwurf des Antisemitismus mundtot zu machen. „Campus Watch" selbst beruhe auf dem Buch „Ivory Towers on Sand" des Nahost-Wissenschaftlers Martin Kramer, Chefredakteur des Middle East Quarterly, in dem dieser Ende letzten Jahres das „Versagen der Nahost-Studien in Amerika" darzulegen versuchte. Ein neuer McCarthyismus mache sich breit mit den Dossiers und Schwarzen Listen von „Campus Watch". Mehr als 100 Professoren haben nun aus Solidarität verlangt, ebenfalls auf die Liste gesetzt zu werden. Ein möglicher Friedensprozess? Der ist in den amerikanischen Universitäten in weite Ferne gerückt.

"Silenced: The nationalist war on Turkey's intellectuals"


Free-thinkers are under siege from a campaign of intimidation by the far
right which has created a climate of repression and self-censorship.
Elizabeth Davies reports from Istanbul

Published: 07 March 2007

Perihan Magden is not, by her own admission, "a bodyguard kind of woman".
Energetic and feisty, with a mass of tousled hair falling in her face and a
decrepit, fading rucksack slung carelessly over one shoulder, she doesn't
look like someone who would need - or want - protecting. A best-selling
novelist and celebrated commentator, hailed by the Nobel Prize-winning
author Orhan Pamuk as "one of the most inventive and outspoken writers of
our time", Magden regularly shuns the spotlight in favour of a quieter life
at home in Istanbul with her teenage daughter. She rarely gives interviews
and, she says, has no desire to see her face on the evening news or "spread
across the papers".

It is hardly a high-profile, celebrity lifestyle. Yet last month, despite
all her efforts to stay out of the public eye, Magden was considered to be
sufficiently at risk to be given a 24-hour security detail. For 10 days
after the murder of the prominent Armenian journalist Hrant Dink, her every
move was watched by a government bodyguard. In an indication of the gravity
of the threat, at least a dozen others needed similar protection. All of
them, from novelists to researchers to newspaper editors, had at some point
voiced their criticism of the Turkish state - and now all were paying the
price.

"We don't want to live like hunted animals," Magden says, her eyes blazing
with indignation. "But we have been made international targets. It's a
lottery and this time it stopped at Hrant's slot. What if next time it stops
at mine?" She breaks off, gazing wistfully through the window out to the
glinting blue of the Bosphorus.

Turkey's intellectuals are living in fear. Dink's assassination in January
was just the latest, if by far the most brutal, manifestation of a rising
tide of nationalism which is posing an increasing threat to the country's
pro-European aspirations and democratic reform. A climate of repression and
of self-censorship has set in among the intelligentsia, leaving the people
who should be their country's most eloquent and effective ambassadors scared
to speak out - and those who are the country's worst enemy holding the rest
of the nation to ransom by means of a relentless campaign of violence and
intimidation.

For a great many people it has become almost impossible to live a normal
life. There are those like Ismet Berkan, the editor of the liberal newspaper
Radikal, who receive death threats in the post. Those like Baskin Oran, a
62-year-old professor of political science at Ankara University, who are
unable to leave their house without police protection. Others have lost
their jobs after writing reports just a little too critical of the military,
or the judiciary, or the enigmatic quality of "Turkishness".

For Orhan Pamuk, the author of a string of acclaimed novels including Snow
and My Name Is Red, it was all too much. Just days after Dink's funeral he
abruptly left the country for self-imposed exile in the US, declaring
himself to be "furious at everyone and everything".

It was a coup for the far-right mob and a major blow for liberal,
pro-democratic Turks. The man who, through his writing, had done more than
perhaps any other to introduce modern Turkey's complexities to the West had
been forced out. It is as yet unclear when he will return.

In a sign of how deep-rooted and fundamental the problem is, by far the most
effective method of intimidation has proved to be none other than the
Turkish penal code itself, which decrees that denigrating the national
identity is punishable by up to two years in prison.

At least 50 people, from a 92-year-old archaeologist to the Nobel laureate
Pamuk, who enraged conservatives by referring to the mass killings of
Armenians in the early part of the 20th century as genocide, were charged
with offences under the infamous Article 301 in 2006 alone. As Magden,
herself on trial last year for defending conscientious objection, says, the
process is highly disturbing. "They show you that you are being threatened.
My life was shattered. Isn't that punishment enough?"

Magden's case was unusual in that it was brought by the still-powerful
military, which was enraged by her defence of conscientious objection in one
of her columns. Almost all the other cases have been brought by members of
the ultra-nationalist Turkish Lawyers' Union, at the helm of which is a
lawyer called Kemal Kerincsiz who has made it his mission to protect Turkey
and "Turkishness" from such malevolent outside forces as the EU and
democracy. If there is one man in Turkey who is reaping the rewards of the
surge in support for nationalism, one man who has almost single-handedly
waged a legal war on intellectuals and is driving home the message of the
far right to the people most vulnerable to its rhetoric, it is Kerincsiz.
Speaking from a workers' cafe after the Taksim rally, where he moved
stealthily through the side crowds, a little man with a long dark overcoat
and toothbrush moustache, he explains with unfailing politeness but absolute
conviction why Turkey should be left alone.

"There is no evidence in world history that Muslim and Christian
civilisations, East and West, can peacefully co-exist with one another," he
says, passing trays of steaming glasses of tea down the long trestle tables
to his bevy of supporters. "The democracy that the EU is trying to impose is
an elite democracy. It is just for people like Elif Shafak, Orhan Pamuk and
Hrant Dink [all of whom he brought charges against under Article 301]."

Freedom of speech should not be abused, he proclaims. His friends down table
smile and nod. "Laws like 301 protect freedom of speech," he says, adding
with chilling logic: "Because if they didn't exist those people who talk
against the nation would be shot." Does he feel responsible in any way for
Hrant Dink's murder, perpetrated by a 17-year-old boy pumped up on deadly
nationalist rhetoric? "I bear no responsibility for such violent acts. We
have always worked within the framework of the law." And, again, that logic:
"We were more sad than anyone else because we would have preferred to show
Turkey how wrong his ideas were. We would have liked to teach him a lesson."

Article 301 has attracted the attention of human rights groups the world
over, with Amnesty International repeatedly calling for its abolition.
Brussels has urged Ankara to make further reforms of the penal code. In
Turkey, too, protests are continuing despite the scare tactics of the far
right.

But campaigners complain that the government is hamstrung in the run-up to
elections later this year. Tuna Beklevic, the leader of a small,
youth-oriented political party, has urged the government to repeal the
clause. "Politicians are not standing up for freedom of speech," he says
from his ramshackle office in the centre of the city. On the seats around
him lie the discarded placards waved by thousands at Hrant Dink's funeral in
solidarity with the Armenian cause. "The government is losing its power to
do anything before the elections. It has made a lot of progress towards EU
integration but now it is acutely aware of the nationalists. It cannot turn
its back on them completely."

Although liberals are keen to dismiss the nationalists as a noisy minority,
at the moment it is clear that they are punching well above their weight.
Recent polls show that support for the Nationalist Action Party, or MHP, has
gone up from 8.4 per cent in the 2003 elections to 14.1 per cent. The AK
party, led by the Prime Minister, Recep Tayyip Erdogan, has fallen meanwhile
from 33 to 26 per cent. And, while there are hints that the more moderate
wings of the government would like to change Article 301, there is no chance
they will risk alienating key support. Come April, the Prime Minister will
have to announce whether he is to run for President - a post in which the
former Islamist would wield veto power over all legislation. The very idea
of this is enough to make many conservatives' blood run cold; the last thing
Mr Erdogan wants to do is enrage those in the powerful and staunchly secular
military, judiciary and bureaucracy, or "deep state".

This has all led to what Volkan Aytar, of the leading independent think-tank
Tesev, calls "a society of lynching" in which the far right is able to lash
out at those it wants to silence because the government lacks the will to
stop it. "These people are not comfortable with the idea that there are
people out there challenging the basic notions of what it means to be
Turkish. They have always thought of those things as unchangeable, that you
cannot talk about them, that you just have to accept them as they are. And
the only way they can fight is with violence." Last month, after the arrest
of Dink's killer, photographs surfaced showing the teenager posing with
smiling police officers beneath a Turkish flag. The collaboration between
nationalist forces and the establishment, says Aytar, is still very much a
problem. "You are tried for what you say, not what you do. There are still
institutions within the state who do not want Turkey to progress. And when
you follow through this line of thought Hrant Dink's murder was not such a
big surprise."

Ask many nationalists whether they too believe Hrant Dink's death had been
predictable and chances are you will get a similar response. At a recent
rally of die-hards, the red and white of the Turkish flag flying high and
the chant of "We are all Turks" echoing around the bleak, concrete expanse
of Istanbul's Taksim Square, a young IT technician with a flag tied around
his shaved head explained why the journalist's death was necessary. "He was
a danger to the nation, so it was his fate," Tahir Ozan says bluntly. He was
not keen to go into detail.

There are a growing number of people like him in Turkey, young,
impressionable voters who are feeling increasingly resentful towards the
outside world, Brussels in particular and the West in general. Since the
partial suspension of EU membership talks in December, mounting frustration
has in some groups boiled over into nationalist fervour. Turkey's young
people are facing a dilemma, says Tuna Beklevic. "The EU integration period
is causing problems, as is the US involvement in Iraq. They see a lot of
Islamophobia in the West, they are becoming more nationalistic because they
feel shunned." Magden, formerly a vociferous advocate of EU accession,
agrees. "Now even I want to tell them to bugger off," she admits.

It is clear where this could all go horribly wrong. Turkey is at a kind of
tipping point. With a very young society and high levels of youth
unemployment, observers warn it could be sleepwalking towards disaster.
"It's like Nazi Germany; it's a ticking bomb," says Magden. "The land is
very fertile for a great rise in nationalism."

For many, the choice is clear. As Elif Shafak, a novelist put on trial by
Kerincsiz last year after one of her fictional characters spoke of the
Armenian genocide, says: "I think we should ask ourselves this simple
question: What kind of a Turkey do we envisage? One that is part of European
civilisation, open, democratic, egalitarian and pluralistic? Or one that is
insular, xenophobic, closed and governed by politics of fear?"

The future is there for the taking. But now, more than ever, those Turks who
do want to see their country progress are in need of their most articulate
representatives to fight their cause for them. The far right has voiced its
intentions loud and clear; it is no time for those who despise it to keep
quiet.

Mittwoch, 7. März 2007

re-locating the oriental in orientalism...

A South Asian critic of Orientalism, Aijaz Ahmad, explained the book's operative importance within the university in this way:

"Its most passionate following in the metropolitan countries is within those sectors of the university intelligentsia which either originate in the ethnic minorities or affiliate themselves ideologically with the academic sections of those minorities. . . . These [immigrants] who came as graduate students and then joined the faculties, especially in the Humanities and Social Sciences, tended to come from upper classes in their home countries. In the process of relocating themselves in the metropolitan countries they needed documents of their assertion, proof that they had always been oppressed.... What the upwardly mobile professionals in this new immigration needed were narratives of oppression that would get them preferential treatment, reserved jobs, higher salaries in the social position they already occupied: namely, as middle-class professionals, mostly male. For such purposes, Orientalism was the perfect narrative."

...

Fifteen years after publication of Orientalism, the UCLA historian Nikki Keddie (whose work Said had praised in Covering Islam) allowed that the book was "important and in many ways positive." But she also thought it had had "some unfortunate consequences":

"I think that there has been a tendency in the Middle East field to adopt the word "orientalism" as a generalized swear-word essentially referring to people who take the "wrong" position on the Arab-Israeli dispute or to people who are judged too "conservative." It has nothing to do with whether they are good or not good in their disciplines. So "orientalism" for many people is a word that substitutes for thought and enables people to dismiss certain scholars and their works. I think that is too bad. It may not have been what Edward Said meant at all, but the term has become a kind of slogan."
...

Beyond the overt political allegiance test, Orientalism also insinuated an ethnic test for admission to the field. As Keddie noted, the book "could also be used in a dangerous way because it can encourage people to say, 'You Westerners, you can't do our history right, you can't study it right, you really shouldn't be studying it, we are the only ones who can study our own history properly.'"46 Hourani identified the same problem: "I think all this talk after Edward's book also has a certain danger. There is a certain counter-attack of Muslims, who say nobody understands Islam except themselves."47
(martin kramer, ob der mir politisch geheuer ist, versuche ich
gerade rauszukriegen - aber obwohl er den stempel
neokonservativ zu tragen scheint, fand ich seine kritik
doch berechtigt.)

(und so ließe sich vieles aus diesem, einer der sich langsam häufenden kritischen artikel zu edward saids monumentalwerk weiterzitieren. dasselbe passierte vorher mit freud, marx, lacan, völlig normal und recht gesund - said aber ist noch immer eine heilige kuh, und heilige kühe lesen ist immer was unbalanciertes...)

einen äußerst lesenswerten artikel von emmanuel sivan zu kritik aus arabischsprachigen ländern an saids methodologie gibt es hier:

Excessive pursuit of Orientalism and its sins and failures—real or imagined—only serves to draw attention away from fundamental problems in the Muslim world, most of which are rooted in the Muslim world itself and are not the results of external manipulations or influences.

Despite Said’s death, polemics about his book are very much alive, in the West as well as in the Arab world. But the Arab debate is quite different--in context, themes, emotions and quandaries--from the corresponding debate in the Western republic of letters. It illuminates, above all, the predicament of the Arab liberal today.


bzw. hier.


(nebenbei: wieso fange ich plötzlich an, edward said zu kritisieren? mir macht ehrlich gesagt langsam auch etwas die unglaubliche wucht des von ihm umgeprägten konzeptes 'orientalism' angst, das zu einem totschlagargument wurde, bei dem jede diskussion ihr ende findet. dass es dabei in komplexer art und weise auch herablassende, naive positionen in jeder generation dem 'osten' gegenüber gegeben hat, steht dabei ausser frage. dass aber der gesamte 'okzident' seit seiner entstehung (edward, der 'anti-essentialist' setzt anachronistisch alle generationen überspringend tatsächlich bei homer an!), in allen ländern, in allen regionen, in allen äußerungen, seien sie affirmativ oder negativ gegenüber dem 'orient', diesen nur diskursiv mit worten imperialistisch zu bezwingen versuchte, ist so über alle maßen polemisch, so ohne jeden beweis philologischer art (das ist schliesslich das, was er ist) zu erbringen, so ungerecht den verschiedensten 'orientalisten' gegenüber (im wertneutralen prä-saidschen sinne, die tatsächlich oft eben selbst die kritische gegenstimme zu offizieller politik stellten) - dass es langsam zeit wird, zu versuchen, die bedeutung dieses ja tatsächlich wichtigen buches etwas zu relativieren. denn seit seiner veröffentlichung ist es bekanntermaßen zu einem politischen argument geworden.)

bilderverbot und mondiale meinungsmeinungsmeinung...

ach so, für alle, die sich gleichzeitig fragen, was ein diskurs jetzt eigentlich so ganz genau ist, und darüber hinaus auch noch mal ganz gerne gewusst hätten, wie das damals (?) eigentlich ablief mit den weltweiten und innerdeutschen krisen nach ein paar dänischen bildchen, sei diese seite erwähnt: diskursanalyse am fallbeispiel der WAZ...

den bogen überspannen.

es könne, meinen Sie, es dürfe kein verbrechen sein, einen menschen mit einer respektsbezeichnung wie mister, herr oder bey zu titulieren, auch wenn dieser in den augen der entsprechenden justiz ein krimineller ist?
falsch gedacht.
zumindest, wenn der titulierende ahmet türk ist, trotz seines nachnamens in erster linie vorsitzender der kurdischen demokratik toplum parti, der betitulierte abdullah öcalan, der eine lebenslange haftstrafe verbüßt, und die justiz die der türkischen republik. dann ist nichts unvorstellbar.

wie als

zuhause. treppenhaus. für einen moment sich entschließen, das licht nicht anzuschalten. auch den rest des wegs im dunkeln. wie früher. wie als man klein war. noch dasselbe? schritt für schritt, holz in der hand, kalte luft, wie früher. unten ankommen. das anschalten hinauszögern. den schrecken ausdehnen. davor, dass er da ist? davor, dass nicht? da ist er. man spürt ihn. ganz nah. wer er ist? was er macht? wie er aussieht?
es funktioniert noch. wie als man klein war.

Dienstag, 6. März 2007

"Falsche Bescheidenheit" - auch andere mit etwas nerven, das mich selber nervt...

"Eine aktive deutsche Sprachpolitik ist angesichts des unterkühlten
Verhältnisses der Deutschen zu ihrer Muttersprache nicht immer
leicht. Denn viele Deutsche empfinden keine besondere Freude an ihrer
Muttersprache. In einigen großen deutschen Unternehmen wird selbst in
den in Deutschland gelegenen Zentralen die englische Sprache
gesprochen. Laden deutsche Stiftungen oder Unternehmen zu
Kongressen in Deutschland ein, wird den Adressaten der Einladung heute
prompt die Frage gestellt, ob er sich der englischen oder der deutschen
Sprache bedienen wolle. Es ist für die deutsche Außen- und Kulturpolitik
nicht eben einfach, die Bedeutung der deutschen Sprache in der Welt
aufzuwerten, wenn unsere Landsleute selbst auf deren Gebrauch keinen
besonderen Wert legen.

Für die Franzosen ist es ein selbstverständliches Anliegen, ja eine
Herzenssache, den Stellenwert der französischen Sprache in der
Welt zu festigen. Offensiv treten französische Politiker dafür ein, ihre
Muttersprache in den internationalen Organisationen - insbesondere in
den Institutionen der Europäischen Union - aufzuwerten. Wir dagegen
müssen uns immer wieder von unseren französischen Kollegen bei der
Hand nehmen lassen, auf dass wir - gemeinsam stark - unsere Sprachen
neben der Weltsprache Englisch behaupten.
Wie häufig tadeln unsere französischen Freunde unsere geradezu
anbiedernde Bereitschaft, auf internationalen Zusammenkünften auf den
Gebrauch der eigenen Sprache zu verzichten. Statt den bereit stehenden
Simultandolmetschern die Chance zu geben, ihre grauen Zellen zu
trainieren, sprechen wir beflissen englisch. Und das zumeist - mehr oder
minder ungewollt - die Bosheit George Bernhard Shaws unter Beweis
stellend, das Englisch the easiest language is to speak badly.
Leichtfertig verzichten wir darauf, uns wortreich und damit gedankenreich
in der vertrauten Muttersprache darzustellen. Wir Deutschen ziehen es
vor, durch den Gebrauch des Englischen Weltoffenheit, Modernität und
das Gefeitsein vor dem Nationalsozialismus zu demonstrieren."

(auszug aus einer schönen rede von jutta limbach, als präsidentin
des goethe institus mit keinem leichten job gesegnet...)

Leichtfertig verzichten wir darauf, uns wortreich und damit gedankenreich
in der vertrauten Muttersprache darzustellen. ---
die peinlichkeit, wenn leute auf teufel komm raus alles auf international sagen müssen - peinlichkeit nicht, weil es falsch ist, was in einer fremdsprache ja völlig normal ist, sondern weil es auch noch so verdammt locker dabei klingen soll. der tatsächlich physische schmerz, den es mir teilweise wieder auf der bilgi-konferenz verursacht hat, deutsche dozenten, die eigentlich gute, eloquente redner sind, teilweise so völlig repetitiven und reduzierten quatsch von sich geben zu hören, und das freiwillig. so als würde sich wer einen maulkorb aufsetzen und dann auch noch dazu sagen: du das geht schon, ich fühl mich echt wohler so.
und dann wieder als der mechanisch redende deutsche knarrer dabei dastehen - weil man sich nicht normal ausdrücken will.
die unglaubliche freude dann, als plötzlich marianne birthler, nachdem sie sich tapfer durch ihre rede geenglischt hatte, sich tatsächlich entschuldigend (!), zugab, für die fragen-und-antworten-runde diese sprache nicht gut genug zu beherrschen: und plötzlich tauchte auch eine dolmetscherin auf und plötzlich sprach diese frau ganz natürlich und plötzlich hörte man ihr tatsächlich auch gerne zu! und es tat gar nicht weh!
welche sprache gab es aber auf der gesamten konferenz über kopfhörer simultan, obwohl nur ein belgier und eine chilenin diese benutzten (bzw hätten können: der belgier sprach englisch): französisch.
und wieder einmal mehrfach der wunsch, den verantwortlichen zu sagen: hört mal, das habt ihr ja alles wirklich sehr schön organisiert - aber seid ihr denn noch normal? der ging vorüber...aber wenn sprache selbst tatsächlich eines der wertvollsten produkte ist, die man an den mann bringen kann, dann ist die große exportnation ausnahmsweise einmal ein grauenhafter ramschladen.

Al idioma alemán

Mi destino es la lengua castellana,
El bronce de Francisco de Quevedo,
Pero en la lenta noche caminada,
Me exaltan otras músicas más íntimas.
Alguna me fue dada por la sangre-
Oh voz de Shakespeare y de la Escritura-,
Otras por el azar, que es dadivoso,
Pero a ti, dulce lengua de Alemania,
Te he elegido y buscado, solitario.
A través de vigilias y gramáticas,
De la jungla de las declinaciones,
Del diccionario, que no acierta nunca
Con el matiz preciso, fui acercándome.
Mis noches están llenas de Virgilio,
Dije una vez; también pude haber dicho
de Hölderlin y de Angelus Silesius.
Heine me dio sus altos ruiseñores;
Goethe, la suerte de un amor tardío,
A la vez indulgente y mercenario;
Keller, la rosa que una mano deja
En la mano de un muerto que la amaba
Y que nunca sabrá si es blanca o roja.
Tú, lengua de Alemania, eres tu obra
Capital: el amor entrelazado
de las voces compuestas, las vocales
Abiertas, los sonidos que permiten
El estudioso hexámetro del griego
Y tu rumor de selvas y de noches.
Te tuve alguna vez. Hoy, en la linde
De los años cansados, te diviso
Lejana como el álgebra y la luna.

Jorge Luis Borges
en El oro de los tigres, 1972.

eine kleine deutsche fussgängerzone, leer wie ein ausgekippter schuhkarton, genauso symmetrisch sauber. alte leute sitzen, wie jeden tag, im selben cafe am platz und sind im grunde froh, dass ein rover die verkehrsgesperrte zone hochschleicht, gibt es doch so einen anlass, einen
kritischen satz von sich zu geben und danach wieder still zu sein. eine ungeheurlichkeit, im dialekt kritisiert. gegenüber ein neuer kinderladen, sein name: up to five - made for kids. seine botschaft: nein, wir, wir sind nicht so. wir sind jung und die große welt ist uns keine unbekannte. der kinderladen und die café-omis stehen sich fremd gegenüber. ich sitze am fenster dazwischen und finde beide gleich beknackt.
und was können wörter dafür, dass hier alles so mufft... ach, jorge, deutsch ist doch nicht nur heine!
Termin: 14. März 2007 bis 16. März 2007 / Deadline: 05. März 2007

DHM

Tagung/Konferenz: Gedächtnis der Nationen? Neue nationale Geschichts- und Kulturmuseen

blogs sind eben auch eine gute gedächtnisstütze für einen selbst...